Ökonomen wollen transparenter werden

Ausland, Politikberatung — By on 16. January 2012 9:09 am

Vor gut einem Jahr entbrannte in den Vereinigten Staaten eine Debatte unter Ökonomen über die Unabhängigkeit der Zunft von kommerziellen Interessen. Viele Wissenschaftler seien in ihrem Urteil voreingenommen, weil sie neben ihrer universitären Tätigkeit auch für Wall-Street-Firmen arbeiten – oder sogar Teilhaber sind. 300 renommierte amerikanische Ökonomen forderten daraufhin einen “Ethik-Kodex”, der Ökonomen dazu zwingen sollte, die Geldgeber ihrer Forschungsprojekte und sonstige Zuwendungen offenzulegen.

Die American Economic Association macht nun Nägel mit Köpfen (PDF): Wer in den Fachzeitschriften der Vereinigung publizieren will, muss nun alle “interessierten Parteien” angeben, von denen sie in den letzten drei Jahren mehr als 10.000 Dollar erhalten haben. Darüber hinaus müssen die Autoren angeben, ob sie eine bezahlte oder unbezahlte Stellung in Organisationen oder Unternehmen haben, die mit dem Thema des Aufsatzes in Verbindung stehen. Besonders wichtig: auch die Verbindungen von engen Familienangehörigen müssen offengelegt werden.

Auch in Deutschland sollen die Transparenzregeln verbessert werden. “Für deutsche Ohren mögen sich strenge Regeln extrem anhören, aber wir wollen ernst genommen werden. Also brauchen wir Transparenz“, so Michael Burda, Vorsitzender des Vereins für Socialpolitik, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Finanzielle und parteipolitische Verbindungen beeinflussten den Rat, den Ökonomen an Politiker geben, und müssten deshalb aufgedeckt werden

In der Zivilgesellschaft stößt die Transparenzinitiative auf eine positive Resonanz: “LobbyControl befürwortet den Vorstoß des AEA für mehr Transparenz bei Veröffentlichungen wirtschaftswissenschaftlicher Artikel”, so die Initiative in einem Blogbeitrag.

Foto: Antonio Morales García, Lizenz: CC BY-SA 2.0

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