Eine Zeitschrift für Philosophenkönige und “public intellectuals”

, Lesenswert — By on 2. January 2012 9:30 am

Kann ein Politikberater zugleich auch Wissenschaftler sein? Oder sind das Wissenschafts- und das Politiksystem bereits soweit voneinander entfernt, dass der beratende Politikwissenschaftler unweigerlich zum akademisch nicht ernstzunehmenden “Feuilletonpolitologen” wird? Haben sich Wissenschaft und Politik wirklich nichts mehr zu sagen?

Doch, findet der Göttinger Politologe Franz Walter, wenn sie nur eine gemeinsame Sprache fänden. Dazu hat Walter die Zeitschrift INDES ins Leben gerufen, die – in bester Tradition des Feuilletons – ein Forum für die politisch-wissenschaftliche Debatte sein. “Mit der Zeitschrift”, so Walter, “verfolgen wir die Absicht, nicht allein oder auch nur in erster Linie die eigene Zunft zu bedienen.” Vielmehr sollen auch andere Mitarbeiter des politischen Betriebs, vom Abgeordneten über den Journalisten, mit dem neuen Magazin angesprochen werden.

Die erste Ausgabe der Zeitschrift ist nicht ganz frei von jenen wissenschaftlichen Worthülsen, denen Walter eigentlich entkommen will. Und auch die Wahl des Schwerpunktthemas – die Rolle von Intellektuellen in der Bundesrepublik – wirkt doch arg selbstreferentiell. Dennoch, einige interessante Beiträge sind in der aktuellen “Nullnummer” zu finden, wie zum Beispiel die herrliche Beschreibung einer Taxifahrt mit dem “Pop-Philosophen” Slavoj Žižek. Auch ein Beitrag über Think Tanks von Zeit-Online-Redakteur Michael Schlieben findet sich unter den Aufsätzen.

Lesenswert ist darüber hinaus der Aufsatz “Reformiert die Politikwissenschaft” des US-amerikanischen Politologen Lawrence M. Mead. Mead kritisiert die Irrelevanz der Politikwissenschaften für die politische Debatte:

“Kaum ein Politikwissenschaftler tritt bei öffentlich diskutierten Problemen als Autorität in Erscheinung, wie dies beispielsweise bei den Ökonomen der Fall ist. Für viele Amerikaner mag Politik zwar eine wichtige Rolle spielen, die wissenschaftliche Beschäftigung mit ihr wird aber schlichtweg ignoriert”

Mead fordert, dass Politikwissenschaftler dem “Scholastizismus” entkommen sollten, indem sie breitere und wichtigere Themenfelder bearbeiten, die auch jenseits eines Fachpublikums Aufmerksamkeit erregen. Desweiteren sollte die klassische Policy-Forschung gestärkt werden, die ebenfalls dazu beiträgt, dass die Politikwissenschaften stärker “problemorientiert” arbeiten. Zuletzt fordert Mead, die Rekrutierungspraxis von Politikwissenschaftlern zu ändern und etwa Doktoranden zu ermuntern, vor dem Verfassen der Arbeit Arbeitserfahrung jenseits der Universität zu sammeln.

Die “Nullnummer” der INDES kann kostenlos auf der Seite des Verlags Vandenhoeck & Ruprecht heruntergeladen werden. Ein Jahresabo kostet 60,00 Euro (ermäßigt 36,90 Euro).

Foto: Vandenhoeck & Ruprecht; h/t Marco Althaus

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3 Comments

  1. Hanas Hütt says:

    Seit wann heißt Franz Walter Fritz?

  2. Wastl says:

    Der Mann ist so gut, nach dem heißt sogar ein Fussballstadion, jetzt schon, zu Lebzeiten! ;)

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