Sollten Think Tanks im Netz aktiv sein?

Medien — By on 2. September 2010 7:34 am

In seinem Blog “Thoughtful Ideas” vergleicht Alvin Rabushka, Senior Fellow der Hoover Institution, wie sich die unterschiedlichen Methoden zur Verbreitung von “public policy ideas” in den vergangenen 50 Jahren verändert haben (Rabushka startete seine Karriere im Think-Tank-Business 1969).

Damals, so Rabushka, gab es drei wichtige Zeitungen, drei wichtige Magazine und drei wichtige TV-Sender. Wer dort zitiert wurde, der wurde aller Wahrscheinlichkeit nach auch gehört. Heute hat sich die Medienlandschaft natürlich dramatisch geändert – vor allen Dingen natürlich durch das Internet. Webseiten wie Facebook oder Twitter erlauben es Think Tankern zudem, auch ohne den Umweg über die Medien mit ihren Zielgruppen in Kontakt zu treten (siehe auch meine Blog-Posts über den Einsatz von Blogs, Facebook und Twitter).

Für Rabuskha ist das eine besorgniserregende Entwicklung:

The above numbers show that a handful of political personalities can overwhelm the think tanks in communicating with the policy-interested public. Should think tanks try to embed their research into these communication networks to reach a larger audience? Not clear. There is a danger that the scholarly-based policy work emanating from think tanks embedded in the networks of prominent personalities would be instantly politicized and rejected out of hand by the broader public as biased or tainted.

In Zukunft werden neue Technologien den Marktplatz der Ideen wahrscheinlich noch weiter “verstopfen”, so Rabushka, und das Auffinden von wirklichen guten Ideen noch schwieriger machen. Aber sollten akademische Think Tanks deswegen auf den Einsatz von sozialen Medien verzichten? Ich glaube nicht.

Twitter und Facebook ersetzen ja keine fundierte persönliche Beratung; sie erhöhen jedoch die Kontaktfläche für potentielle Auftraggeber und Adressaten. Und dass man ernsthafte (Öffentlichkeits-) Beratung auch über Facebook und andere soziale Netzwerke betreiben kann, zeigt das Beispiel des Hobby-Ökonomen Edward Hugh, der durch seine treffenden Analysen der Finanzkrise nicht nur im Internet zu einem gefragten Experten wurde.

Das Internet – wie zuvor das Fernsehen – führt in der Tat zu einer immer vielstimmigeren Medienlandschaft; darunter sind auch viele weniger seriöse Angebote. Aber wie auch in den traditionellen Medien setzen sich qualitativ hochwertige Angebote durch – und auch Facebook- und Twitter-Profile sorgen heute nicht mehr für hochgezogene Augenbrauen bei politischen Entscheidern, schließlich sind viele Politiker inzwischen selber auf der Plattform aktiv.

Foto: Johan Larsson, Flipboard, Lizenz: CC BY 2.0 / via Think Tanked

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