Was Think Tanks von Tchibo lernen können
Politikberatung — By Daniel Florian on 5. August 2010 10:49 amPolitik ist nicht Persil und Politikberatung keine Ingenieurwissenschaft. Man muss also vorsichtig sein, wenn man gute Ideen aus der Privatwirtschaft in die Politik oder die Politikberatung übertragen will. Trotzdem finde ich die Plattform Tchibo Ideas interessant und glaube auch, dass wissenschaftliche Politikberatung etwas von dem Ansatz des bekannten Kaffeerösters lernen könnte.
Hinter Tchibo Ideas steht die Idee des Crowdsourcing, bei dem Tchibo die Kreativität und die Ideen seiner Kunden anzapft, um neue Produkte für seinen Tchibo Store zu entwickeln. Unter anderem kam so die Entwicklung eines Kabelaufrollers zustande, eine Erfindung, für die der Konstrukteur Bernd Klawitter nicht nur 10.000 Euro bekam, sondern auch einen prominenten Platz auf der Entwicklerplattform.
Können auch Think Tanks von Crowdsourcing profitieren? Bereits vor gut einem Jahr habe ich beschrieben, wie Think Tanks zum Beispiel Konjunkturprognosen mit Crowdsourcing verbessern könnten. Die Tchibo-Plattform geht noch einen Schritt weiter: sie forciert den Aufbau eines Marktplatzes, auf dem sich Nachfrage und Angebot treffen. Denn Kunden können in der Rubrik “Aufgaben” selbst bestimmen, welchen Problemen sich die Hobby-Tüftler widmen sollen. Auch in der Politikberatung würde ein solches Vorschlagssystem den Beratern ein besseres Gefühl dafür geben, in welchen Themenbereichen die Politik den größten Beratungsbedarf sieht.
Aber eine große Masse von Ideen führt nicht automatisch auch zu besseren Ideen. Das musste vor Kurzem auch die neue britische Regierung lernen: über das Internet riefen Premierminister David Cameron und seine Regierung die Bürger auf, den Koalitionsvertrag zu kommentieren. Insgesamt gingen über 9.500 Verbesserungsvorschläge ein – scheinbar ohne großen Effekt, wie der Guardian schreibt:
However, its formal responses, published on each website, shows Whitehall regarded the process largely as an endorsement of what it was already doing.
Ich stelle mir das ungefähr so vor, wie in der großartigen britischen Comedyserie “Yes, Minister”, in der es um den ewigen Kampf zwischen dem engagierten, aber auch etwas naiven Minister Jim Hacker und seinem obersten Beamten Sir Humphrey geht. Zu welchen Mitteln Sir Humphrey greift, um jegliche Initiative seine Minister ins Leere laufen zu lassen, zeigt die folgende Szene zwischen Sir Humphrey (rechts) und dem Kabinettsstaatsekretär Sir Arnold:
Mehr über die Tchibo-Ideas-Plattform finden Sie beim PR-Blogger Klaus Eck.
Foto: James Cridland, Crowd, Lizenz: CC BY 2.0
Tags: Ideen, Social Media

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4 Comments
Wäre das was:? https://www.meinungsmarkt-berlin.de/anmelden
Wir machen auch Crowdsourcing mit atlantic-community.org
Atlantic Memos showcase the best ideas and solutions from Open Think Tank discussions and are distributed to decision-makers as executive summaries. The best comments are included in the final brief and if your comment makes it in, your name will be included in the list of contributors of the Atlantic Memo. This is your chance to influence transatlantic policy! http://www.atlantic-community.org/index/ott_type/…
Es würde mich freuen, wenn Sie atlantic-community.org ins Think Tank directory aufnehmen könnten bzw. sogar einen Blogpost über uns schreiben. Mehr Infos gerne.
Naja, ein "Schaufenster" würde ich nicht als Beispiel für Crowdsourcing bezeichnen … Beim Crowdsourcing geht es ja darum, dass Kunden (Nachfrager) und Unternehmen (Anbieter) gemeinsam Probleme definieren und v.a. Lösungen entwickeln. Im Think-Tank-Bereich hat Demos bereits damit experimentiert, ohne jedoch ein überzeugendes Modell gefunden zu haben. Einen Artikel zu kommentieren ist wohl eher Feedback als echtes Crowdsourcing!
Die Artikel stammen aber auch von der "crowd."