Woran erkennt man gute Experten?
Medien — By Daniel Florian on 21. July 2010 21:42 pmGanze vier Tage weilte Kanzlerin Merkel in der vergangenen Woche im Ausland. Russland, China und Kasachstan standen auf dem Reiseplan – allesamt wichtige Länder: Deutschland ist Handelspartner Nummer 1 für Russland und Kasachstan und China ist ebenfalls ein wichtiger Exportmarkt für deutsche Unternehmen.
Bei so viel großer Politik schlägt auch die Stunde der “Instant-Experten”, schreibt Bernd Ziesmer im Handelsblatt und liefert gleich eine Methode, gute von schlechten Experten zu unterscheiden: man gebe jedem Experten 100 Punkte und ziehe jeweils kräftig Punkte ab für mögliche Interessenkonflikte, fehlende Sprachkenntnisse und mangelnde Lebenserfahrung im betreffenden Land. Kommen am Ende weniger als 30 Punkte heraus, ist man bei einem Instant-Experten gelandet; sind es noch weniger, spricht man – so Ziesemer – wahrscheinlich mit einem Politiker oder einem Journalisten.
Eine nette Kolumne zu einem wichtigen Termin – aber mit einem ernsten Hintergedanken: wie können Think Tanks ihre Mitarbeiter zu glaubwürdigen Experten für die Medien aufbauen?
Detaillierte empirische Studien haben inzwischen belegt, dass die Fähigkeit von “Experten”, die Zukunft vorherzusehen, ungefähr so groß ist wie die eines aufmerksamen Zeitungslesers. Manche Beobachter haben deswegen schon einen “Faktencheck” für Experten gefordert, mit dem festgehalten werden kann, wie viele Vorhersagen eines “pundits” auch tatsächlich eingetreten sind. Ein paar Tipps, wie man die Spreu vom Weizen trennt, hat auch Den Drezner auf seinem Blog veröffentlicht (überhaupt gibt es kaum einen Bereich, zu dem Drezner nicht einen Tipp geben könnte …).
Es gilt aber generell: wer sich als Politikberater engagieren oder von den Medien zitieren lässt, macht sich angreifbar. Einerseits werden Experten wegen ihrer Sachkenntnis in Beratergremien berufen, andererseits macht sie gerade das verdächtig, nur versteckte “Lobbyisten” zu sein. Und manch ein Think Tanker muss sich von seinen Kollegen für häufige Medienauftritte kritisieren lassen. Ein auf dem Gang betont jovial zugerufenes “Sie auch wieder hier – ich dachte, ich sehe Sie nur noch im Fernsehen!” spricht Bände, was die Akzeptanz von Medienauftritten in der Wissenschaft angeht.
Foto: Chris Schuepp, Speaking Out, Lizenz: CC BY 2.0
Tags: Medien

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