Karl-Rudolf Korte in der Kritik

Nachrichten — By on 15. April 2010 17:39 pm

Der Sieg in NRW schien den Christdemokraten sicher, aber als vor einigen Wochen die ersten Berichte über die “Spendenaffäre” der CDU aufkamen, wendete sich das Blatt für Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Der “Arbeiterführer” muss nun um seine Macht an Rhein und Ruhr bangen.

Die Affäre könnte jedoch noch für einen zweiten Mann schwerwiegende Konsequenzen haben: für den bekannten Politik-Professor und Direktor der NRW-School of Governance Karl-Rudolf Korte. Korte, der auch regelmäßig vor die Kameras des ZDF tritt und dort Wahlen kommentiert, soll selbst in die Spendenaffäre verwickelt sein. Das berichten zumindest zwei einflussreiche nordrheinwestfälische Blogs.

Die Ruhrbarone zitierten bereits Mitte März einen Artikel der Süddeutschen Zeitung über eine enge Zusammenarbeit zwischen de Düsseldorfer Staatskanzlei und der NRW School of Governance. Demnach habe Korte ein Gutachten für Rüttgers erstellt, dass den CDU-Mann “in die Nähe des legendären SPD-Landesvaters Johannes Rau rückte”.

Gestern förderte der Blog wir-in-NRW.de darüber hinaus E-Mails zutage, die Korte in direkten Zusammenhang mit fragwürdigen Spendenmethoden stellen. Korte, so der Blog, habe der Staatskanzlei vorgeschlagen, ein “Sponsoring-System” für Unternehmen zu entwickeln, um damit die Forschungen Kortes zu finanzieren:

“Insofern brauchen wir keine Übergangslösung mit Fraktionsgeldern,” schrieb der angesehene Wissenschaftler an den Polit-Manager Berger. CDU-Fraktionsgelder? Das dürfte Fragen aufwerfen. Wie unabhängig ist Korte? Unabhängig genug für das ZDF?

Die zitieren Mails sind zwar lückenhaft, aber ein Geschmäckle bleibt in jedem Fall – zu nah scheinen sich Korte und die Staatskanzlei im Laufe der Jahre gekommen zu sein. Zwar ist die Nähe zwischen Politikwissenschaft und Politik wichtig, damit die Forschung praxisrelevant bleibt, aber die Unabhängigkeit des Forschers muss gewahrt bleiben. In dieser Hinsicht muss es nun berechtige Zweifel an der Arbeit Kortes geben.

Foto: André Walter, Kommunalwahl in NRW, Lizenz: CC BY 2.0

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1 Comment

  1. Anti-Bertelsmann says:

    Karl Rudolf Korte kommt aus dem Medienmanipulations- und Politikbeeinflussungssumpf des Bertelsmann-Komplexes. Egal welche Parteien gerade an der Regierung sind – Bertelsmann regiert irgendwie immer mit. Korte ist ein Gewächs von Prof. Werner Weidenfeld, heute wohl einflussreichster politik”wissenschaftlicher” Politikberater Deutschlands, ehemals deutsch-amerikanischer Koordinator unter Helmut Kohl (1987-1999) und seither im Sold von Bertelsmann (ein Unternehmenssponsoring für eine Politikerberatung – dank Gemeinnützigkeitsstatus der Bertelsmann Stiftung auch noch steuerfrei). Weidenfeld fungierte als Mitglied des Vorstands (1992-2007) und des Kuratoriums (1990-2004) der Bertelsmann Stiftung und ist heute Direktor des überwiegend mit Drittmitteln von Bertelsmann finanzierten “Centrum für angewandte Politikforschung” (CAP) an der LMU München.

    Das CAP beschreibt seine Finanzierung folgendermaßen:
    “Das Centrum für angewandte Politikforschung ist eines der größten universitären Institute der Politikberatung zu europäischen und internationalen Fragen in Deutschland. Als Dach praxisorientierter Drittmittelforschung wurde es 1995 von Prof. Dr. Dr. h.c. Werner Weidenfeld am Lehrstuhl für Politische Systeme und Europäische Einigung des Geschwister-Scholl-Instituts für Politikwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München gegründet.
    Seine operativen Mittel wirbt das C·A·P über Projekte und Partnerschaften mit Stiftungen, staatlichen Institutionen und Unternehmen ein. Es organisiert wissenschaftlichen Sachverstand, um Strategien und Optionen zu aktuellen Fragestellungen der Politik zu erarbeiten. Die Forschungsgruppen und vielfältigen Projekte des Centrums verbinden dabei die international und interdisziplinär angelegte Analyse mit konkreten Vorschlägen für die politische Praxis.”

    Zwar behauptet das CAP einerseits “unabhängig” zu sein, macht andererseits aber auch keinen Hehl aus der Beziehung zu Bertelsmann. Auf der CAP-eigenen Homepage ist folgende kritische Einschätzung zu lesen: “Der größte von 35 Geldgebern des CAP etwa ist die Bertelsmann Stiftung. Diese betreibe “gewissermaßen Lobbyarbeit”, sagt Winand Gellner, Politikprofessor an der Passauer Universität und Autor einer Studie über amerikanische und deutsche Ideenagenturen.”
    http://www.cap-lmu.de/aktuell/pressespiegel/1999/vordenker_eminenz.php

    Korte arbeitete schon seit den 80er Jahren mit Weidenfeld am Institut für Politikwissenschaft der Universität Mainz zusammen und war dann an der Gründung des CAP beteiligt, wo er von 1995 bis 2000 die Forschungsgruppe Deutschland leitete. Das CAP und Bertelsmann haben übrigens auch traditionell beste Beziehungen zum ZDF. Schon der damalige ZDF-Intendant Dieter Stolte verhinderte 1999 eine kritische Reportage zur NS-Vergangenheit von Bertelsmann bei 3Sat. Gleichzeitig war er Mitglied im Kuratorium der Bertelsmann Stiftung und in der Jury des Carl-Bertelsmann-Preises.
    Heute hat Bertelsmann mindestens zwei personelle Verbindungen ins ZDF: Peter Frey, Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios, gehört gemeinsam mit Prof. Korte zu den “CAP-Fellows”, eine Ehrung, die “das jahrelange und tatkräftige Engagement dieser Persönlichkeiten im Rahmen der Projekte des C·A·P” auszeichnet. Klaus-Peter Siegloch, Leiter des ZDF Büros in New York, ist Mitglied des Kuratoriums der Bertelsmann Stiftung.
    Und die Beziehungen zwischen Rüttgers und Bertelsmann funktionieren natürlich auch prächtig: “Soeben hat Rüttgers einen weiteren einflussreichen Medienmann ins Boot geholt: Hartmut Ostrowski, den Vorstandschef der Bertelmann AG, zu der unter anderem die RTL-Sendergruppe, Buchverlage und die Mehrheit an Gruner + Jahr gehören. Er darf in zwei Wochen zur Bundesversammlung fahren, um als von der CDU-Landesregierung nominierter Wahlmann den Bundespräsidenten zu wählen.” (taz, 09.05.2009).
    Auch Martin Florack, für dessen Studie Boris Berger und Korte einen Sponsor suchten, forschte schon für Bertelsmann: “…engagierte er sich von 2000 bis 2003 in der “Bertelsmann Forschungsgruppe Politik” in dem Projektbereich: Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union.”
    http://www.karl-rudolf-korte.de/xd/public/content/index.html?pid=222

    Die Empfehlungen der Bertelsmann Forschungsgruppe Politik nahm Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits auf Veranstaltungen der Bertelsmann Stiftung zur Kenntnis. Merkel präsentiert sich offen als Freundin von Bertelsmann-Erbin Liz Mohn. Die Milliardärsfamilie Mohn kontrolliert sowohl die Bertelsmann Stiftung als auch den Bertelsmann-Medien-Konzern (RTL, Gruner+Jahr, Spiegel, Stern, FTD….). Und 2002 lobte bereits Bundeskanzler Gerhard Schröder “die gewachsene Zusammenarbeit zwischen der Stiftung und dem Bundeskanzleramt”. Damit spielte er wohl auf die Tatsache an, dass schon Helmut Kohls Kanzleramts-Vize-Chef Horst Teltschik sich von der Bertelsmann Stiftung beraten ließ, deren Geschäftsführung er dann 1991 übernahm.

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