Was will das Institut Solidarische Moderne?
Nachrichten — By Daniel Florian on 15. February 2010 20:08 pmMit großem Medienecho startete Ende Januar eine besondere Denkfabrik: prominente Mitglieder der SPD (darunter Andrea Ypsilanti), der Grünen (Attac-Gründer Sven Giegold) und der Linken (Katja Kipping) gründeten das Institut Solidarische Moderne (ISM).
Aber was will das ISM eigentlich? Schließlich hatte Andrea Ypsilanti schon kurz nach der Gründung des Instituts gesagt, sie teile “nicht jeden Traum von Sahra Wagenknecht”. Wo ist also der gemeinsame Nenner?
Auch ein Artikel in der aktuellen Ausgabe der Zeit (leider nicht online) bringt nicht mehr Klarheit. Während Kipping die Initiative als linkes Gegenprojekt zur Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) beschreibt, das “den Kampf um die geistige Hegemonie” führen solle, sieht Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel das Institut eher als eine Möglichkeit, eine “inhaltliche Grundlage für das linke Projekt Rot-Rot-Grün” zu entwickeln. Das könne in einer Denkfabrik wesentlich geräuschloser geleistet werden als innerhalb der Parteien, so Drohsel in der Zeit.
Noch ist also nicht entschieden, ob das ISM eine Kampf-Organisation wie die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft oder eher eine Denkstube wie die Friedrich-Ebert-Stiftung sein wird. An einer Front jedenfalls ist das ISM schon jetzt sehr erfolgreich: im Internet. Auf Facebook hat das Institut nur wenige Wochen nach der Gründung schon über 2.500 “Fans”. Zum Vergleich: der European Council on Foreign Relations, eine Denkfabrik, die immerhin Büros in sieben europäischen Städten sowie eine eigene Social-Media-Strategie hat, hat nicht einmal 450 Fans. Und laut Zeit sind nach wenigen Tagen bereits über 700 Menschen “richtige” Mitglieder des ISM geworden. Hier wächst also möglicherweise tatsächlich eine einflussreiche neue Institution heran.
Tags: European Council on Foreign Relations, Friedrich-Ebert-Stiftung, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Institut Solidarische Moderne, Social Media

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3 Comments
Warum sollte es nicht eine Mischform werden zwischen “Kampf-Organisation” und Denkstube?
Und dann merkt man, dass es auch in Social Media mehr bringt, wenn man den “Zahn der Zeit trifft” als superduperschlaue, aber seelenlose und betriebsintern nicht wirklich verstandene Social Media Strategien umzusetzen.
Den “Nerv der Zeit” hat das Institut in jedem Fall schon getroffen (zumindest wenn man sich die Fan-Zahlen bei Facebook anschaut). Aber wird die ISM diese Zahlen auch in konkrete Aktionen umsetzen können?
Eine Mischform ist ja auch die INSM, die im Wissenschaftsbereich mit dem IW Köln zusammenarbeitet. Ich frage mich aber, ob die ISM-Gründer sich auf ein gemeinsames ideologisches Fundament einigen können, auf dessen Basis sie arbeiten wollen?
Ich sehe viele starke Persönlichkeiten, aber wenig Gemeinsamkeiten, daher bleibt ein wenig Skepsis …
Der wissenschaftliche Deckmantel der ISNM ist sicher kaum ernstzunehmen. Die ISNM ist und bleibt eine reine neoliberale Kampftruppe, der wenig an einer ernsthaften gesamtgesellschaftlichen Verantwortung liegt. Sie ist eines der schlimmsten “intellektuellen” Krebsgeschwüre der aktuellen Medienwelt.
Da lese ich ja noch lieber Cicero.
Ob die fröhlich zum Manifest versammelte Linke allerdings den Sprung in die Arbeit, aka Erstellen von handlungs-orientierten Analysen, schafft, bleibt abzuwarten.