Iran: Think Tanks auf der schwarzen Liste

Nachrichten — Von Daniel Florian am January 8, 2010 um 8:40 am

Der Iran hat eine Reihe westlicher Organisationen auf eine schwarze Liste gesetzt, da sie angeblich den inneren Frieden der Republik bedrohen. Darunter befinden sich auch eine Reihe amerikanischer und europäischer Think Tanks. Der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) gebührt die zweifelhafte Ehre, als einzige deutsche Denkfabrik auf der Liste zu stehen. Allerdings finden sich auch das Aspen Institute und der German Marshall Fund darauf wieder, die beide ein Büro in Deutschland unterhalten.

Die liberale New America Foundation wird gleich zweimal gelistet, schreibt Steve Clemons, Leiter der Außenpolitikabteilung der Denkfabrik. Nach welchen Kriterien die Iraner bei der Erstellung der Liste vorgegangen sind sei ihm jedoch schleierhaft. Schließlich sei sein Kollege Flynt Leverett erst im Herbst 2009 zu einem Abendessen mit Präsident Ahmadinedschad eingeladen gewesen und habe sich – wie er auch – stets für einen Dialog mit dem Iran ausgesprochen.

Clemons schlägt außerdem vor, der Liste noch ein paar ultrakonservative Denkfabriken hinzuzufügen, etwa die Heritage Foundation oder das Cato Institute – beide würden dies sicherlich als Auszeichnung verstehen. Er schließt:

Seriously, this kind of roster is an idiotic gesture by Iran’s not so intelligent intelligence establishment as it is implied that Iranians in contact with these organizations will be committing criminal offenses. Let’s remember that President Ahmadinejad himself spoke at the Council on Foreign Relations [der sich ebenfalls auf der Liste befindet] two years ago.

Aus welchen Gründen die DGAP auf der Giftliste des Ministeriums ist, bleibt ebenfalls unklar. Konstantin Kosten, Iran-Experte der Stiftung, spricht sich in seinen Publikationen ebenfalls für eine Einbindung des Iran aus. Diese Politik vertritt auch Deutschlands bekanntester Iran-Kenner, der Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik Volker Perthes. In seinem Buch “Iran – eine politische Herausforderung” plädiert Perthes für eine diplomatische Lösung, die auch die (legitimen) Interessen des Iran einbezieht.

Foto: Hamed Saber, Iran: 5th Green Day – 3V, Lizenz:  CC BY 2.0

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