Guter Vorsatz: Werden Sie zum Blogger!
Medien — By Daniel Florian on 27. December 2009 11:16 amBis vor ein paar Jahren waren Journalisten mächtige “gatekeeper” in der öffentlichen Debatte: was nicht in den Zeitungen diskutiert wurde, existierte in der politischen Diskussion oft gar nicht. Das Internet hingegen schafft eine Form von Öffentlichkeit, die diese “gatekeeper” umgeht.
Für die Wissenschaft ist das eine große Chance: durch das Netz entstehen anstelle einer großen Öffentlichkeit viele Nischenöffentlichkeiten, die nationale Grenzen von Öffentlichkeit umgehen. Ein zentraler Baustein dieser Netzöffentlichkeit sind Blogs. In vielerlei Hinsicht haben Blogs das Internet “demokratisiert”, weil sie es den Autoren ermöglichen, auch ohne viel technisches Know-How im Internet zu veröffentlichen.
In Deutschland haben Blogs zwar den Ruf, ein Sammelbecken für “Katzen-Content” zu sein (Blogger-Sprech für private Fotos von Haustieren und sonstigen irrelevanten, aber dennoch vielleicht liebenswerten Inhalten). Aber das und auch die vielen anderen Gründe, warum Blogs in Deutschland nicht funktionieren sollten Akademiker nicht davon abhalten, Blogs für den Austausch von Ideen zu nutzen.
Das Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung (MPIfG) – das selbst zwei Blogs betreibt – beschreibt Blogs folgendermaßen (PDF):
Die Trennung zwischen Wissenschaft und Journalismus wird hier aufgehoben. Wissenschaftler treten mal als Forscher auf, mal lösen sie sich aus dem gewöhnlichen Arbeitszusammenhang und schreiben ähnlich wie Journalisten über Entwicklungen einer Fachdisziplin, eine Tagung oder Ereignisse aus dem aktuellen Zeitgeschehen.
Blogs leben von einer hohen Frequenz der Beiträge. Der Leser erwartet wie bei einer Zeitung oder einem Magazin regelmäßig neue Artikel. Das eröffnet auch einen Raum für eher anekdotische Texte oder Beiträge, die zwar einen wissenschaftlichen Hintergrund haben, der aber noch nicht vollkommen validiert werden konnte – durch Kommentare und zusätzliche Blogposts können solche Ideen später wieder aufgegriffen und weiterentwickelt werden.
Blogs sind oft sehr stark mit der Person des Autors verbunden und haben eine persönliche Note – im klassischen Journalismus könnte man Blogs wohl am ehesten mit einer Kolumne vergleichen. Aber ein guter Blog ist mehr als der Lautsprecher eines Bloggers: er ist eine Plattform für Ideen und es gehört zum guten Ton eines Blogs, auch andere Blogs vorszustellen und zu verlinken. So entsteht ein Netzwerk aus miteinander verbundenen Blogs und Bloggern – die “Blogosphäre”.
Wenn Sie selber einen Blog starten, suchen Sie also nach thematisch ähnlichen Blogs bevor sie beginnen und lassen sich inspirieren. Vielleicht gibt es ja einen Artikel, auf den Sie antworten wollen – schon haben sie eine Idee für einen ersten Artikel. Oder kommentieren Sie einen Zeitungsartikel, einen Fachaufsatz oder eine Konferenz. Und natürlich sollte der Blog auch über Ihre eigene Arbeit berichten.
Ähnlich ist auch dieser Blog aufgebaut: er greift erstens Nachrichten aus den klassischen Medien auf, die für Think Tanker relevant sind; zweitens berichtet er über Branchentrends, die für eine breitere Öffentlichkeit nicht relevant sind und deswegen auch nicht in den klassischen Medien auftauchen. Und drittens liefert er exklusive Inhalte wie das Interview mit Demos-Sprecher Peter Harrington oder den Hintergrundartikel über Think Tanks in Berlin.
Ein guter Blog ist dabei immer “work in progress”: auch wenn jeder einzelne Artikel natürlich sorgsam geplant, geschrieben und redigiert wurde, sorgt die Kommentarfunktion eines Blogs dafür, dass der Artikel auch nach der Veröffentlichung des Artikels weiterentwickelt werden kann – innerhalb des Blogs oder durch Verlinkung und Kommentierung in der Blogosphere.
Deswegen sind Blogs auch ein ideales Kommunikationsinstrument für Think Tanks. Denn gerade weil Think Tanks eine Vermittlerfunktion zwischen Wissenschaft und Politik haben, geraten sie schnell in eine Zwickmühle: sind sie zu akademisch, reden sie an der Politik vorbei; sind sie zu politiknah, haben sie in der Wissenschafts-Community schnell den Ruf, intellektuelle Leichtgewichte zu sein. Blogs können dabei helfen, eine Brücke zwischen beiden Welten zu schlagen, weil sie intellektuelle Tiefe mit journalistischer Schärfe verbinden können – was in klassichen Medien und Fachpublikationen nicht möglich ist.
Falls Sie also noch keinen Vorsatz für das neue Jahr haben – hier ist einer: werden Sie Blogger!
Foto: Annie Mole, Britain Going Blog Crazy, Lizenz: Creative Commons
Tags: Demos, Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, Social Media

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