Wie Ideen die Welt verändern können

Medien — By on 9. December 2009 21:43 pm

“15 minutes of fame” – das ist das Ziel vieler Politikberater. Die meisten policy briefs und Analysen haben dagegen eine Halbwertszeit, die weit darunter liegt. Manchmal schafft es eine politische Idee jedoch, unsere Wahrnehmung der Welt maßgeblich zu beeinflussen. Und um genau diese Ideen geht es in dem Aufsatz “Putting your big think on the map” des Washington Post Autors Carlos Lozada.

Francis Fukuyamas Aufsatz über das “Ende der Geschichte” ist solch ein Beispiel für eine Idee, die unser Denken verändert hat – auch wenn ziemlich bald klar war, dass Fukuyama etwas vorschnell geurteilt hatte und sein Aufsatz heute vor allen Dingen hervorgeholt wird, um nachfolgend zu zeigen, dass die Geschichte eben nicht zu Ende ist.

Dennoch: hier sind die fünf Regeln für eine Idee, die die Welt verändert:

  1. Make it catchy: Schon die Überschrift muss stimmen. Betiteln Sie ihren Aufsatz also nicht “Strategic Imbalances Between the US and Europe: A Qualitative Analysis”, sondern “Americans are from Mars, Europeans are from Venus”. Das versteht jeder.
  2. Everybody loves a critic: Suchen Sie sich also möglichst einflussreiche Gegner. Ein Journalist vielleicht, ein Historiker (traditionell ein Beruf mit großer Deutungshoheit in Deutschland) oder den aktuellen Liebling der politischen Feuilletons. Viel Feind, viel Ehr’, oder in Lozadas eigenen Worten: “intellectual combat does wonders for buzz and book sales”.
  3. Timing is (almost) everything: Die beste Idee ist nichts wert, wenn ihre Zeit noch nicht gekommen ist. Bereits 1990 prägte Joseph S. Nye den Begriff soft power, zunächst scheinbar ohne Erfolg. Noch 2003 antwortete der damalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld auf eine Frage nach soft power: “I don’t know what it means.” Heute gilt Nye als einer der einflussreichsten Politikwissenschaftler in den USA.
  4. USA! USA! Ok, das gilt vielleicht nicht für deutsche Politikberater. Aber es schadet natürlich nicht, eine Prise “nationales Interesse” in seine Analysen einzubauen.
  5. [aartikel]3446413243:right[/aartikel] Second thoughts: Falsch liegt man natürlich nie, aber etwas Selbstkritik schmückt jeden Politikberater. Oder wie Robert Kagan über seinen Mars/Venus-Aufsatz später sagte: “I was arguing contrary to desire. I wanted Europe back in the power game. Part of me is always hoping to be wrong.” So wird Selbstkritik zum Verkaufsargument.

Es lohnt sich, den ganzen Aufsatz auf ForeignPolicy.com zu lesen. Und wer noch mehr über nachhaltige Politikberatung lesen will, dem sei Dan und Chip Heats Buch “Was bleibt: Wie die richtige Story Ihre Werbung unwiderstehlich macht” empfohlen (lassen Sie sich vom Titel nicht irritieren; der englische Originaltitel heißt treffender “Made to Stick: Why Some Ideas Survive and Others Die”).

Foto: Martin Green – Fotolia.com

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