Cicero kürt 250 “Vordenker”
Köpfe — By Daniel Florian on 26. September 2009 11:21 am[aartikel]B0002IT82G:right[/aartikel]In seiner aktuellen Oktoberausgabe veröffentlicht das Magazin Cicero eine Liste der 250 wichtigsten “Vordenker” der Bundesrepublik. Genauer gesagt sind es neun Listen, grob unterteilt nach Professionen. So finden sich unter den Geehrten Ökonomen, Naturwissenschaftler, Gesellschaftswissenschaftler, Philosophen, Historiker, Kulturwissenschaftler, Regisseure, Schriftsteller und – Humoristen.
Falls Sie sich in dieser Liste nicht wiederfinden: keine Sorge. Das Ranking, das von Max A. Höfer entwickelt wurde, basiert auf der Präsenz der Intellektuellen in Zeitungen, Zeitschriften und Datenbanken. Die Liste “bildet öffentliche Deutungsmach ab, misst aber keine inhatliche Qualität”.
Das Ranking konstatiert, dass Ökonomen ihren Einfluss im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise stark erhöht haben. Würde man ein Ranking aller Intellektuellen erstellen, stünde Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo-Instituts, an dessen Spitze. Überhaupt sind Think-Tanker vor allen Dingen in der Liste der wichtigsten Wirtschaftswissenschaftler zu finden, während sie bei den Natur- und Geisteswissenschaften nur spärlich vertreten sind.
[aartikel]3821839821:right[/aartikel]Neben Sinn finden sich im Ökonomen-Ranking auch Wolfgang Franz (ZEW Mannheim, Platz 7), Thomas Straubhaar (Hamburgisches Weltwirtschaftsinstitut, Platz 8), Michael Hüther (IW Köln, Platz 10), Klaus Zimmermann (DIW Berlin, Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit, Platz 14), Gustav Adolf Horn (Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung, Platz 15) sowie eine Reihe von Wirtschaftsweisen.
Die Gesellschaftswissenschaftler werden von Paul Kirchhof, Jutta Limbach und Jan-Philipp Reemtsma angeführt. Erst auf den Plätzen 23 und 24 finden sich mit Volker Perthes (Stiftung Wissenschaft und Politik) und Jutta Allmendinger (Wissenschaftszentrum Berlin) klassische Think-Tanker. Bei den Naturwissenschaftlern hält immerhin Hans Joachim Schellnhuber (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Platz 15) die Fahne der Politikberater hoch.
Man kann das Ranking allerdings auch anders lesen: in seinem Buch “Expert Political Knowledge: How good is it? How can we know?” hat der amerikanische Psychologe Philip E. Tetlock festgestellt, dass gerade die Prognosen der prominent in den Medien erscheinenden Experten (die er hedgehogs nennt) wenig zuverlässig sind. Eine (etwas) bessere Prognosefähigkeit schreibt er den foxes zu, die in der öffentlichen Debatte oft weniger überzeugend auftreten, dabei aber offener gegenüber neuen Informationen und Trends sind. Die Begriffe hedgehog und fox stammen vom Philosophen Isaiah Berlin, der schrieb: “The fox knows many things, but the hedgehog knows one big thing.”
Manchmal kann eben auch das Nicht-Auftauchen in einem Ranking eine Auszeichnung sein.
Foto: Ralf Schulze, Skulptur “Die Philosophin” von Markus Lüpertz im Bundeskanzleramt, Lizenz: Creative Commons
Tags: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit, Hamburgisches Weltwirtschaftsinstitut, ifo Institut, Institut der deutschen Wirtschaft, Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Stiftung Wissenschaft und Politik, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung

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1 Comment
War unter den 150 Menschen eigentlich auch ein aktueller oder ehemaliger Politiker?