Twitter als Research- und Marketingtool
Medien — By Daniel Florian on 8. August 2009 20:31 pmSeit einigen Monaten sorgt ein neuer Internetdienst weltweit für Schlagzeilen: der Microblogging-Dienst Twitter. Das Prinzip ist einfach: in Kurznachrichten von bis zu 140 Zeichen geben die Nutzer kurze Kommentare ab, teilen einen Link zu einem Nachrichten- oder Blogartikel mit oder verweisen auf ein Foto, dass sie eben mit dem Handy geschossen haben, wie das berühmte erste Foto des Flugzeugs im Hudson River.
Das ist eines der Erfolgsrezepte von Twitter: man kann den Dienst sowohl über die Webseite twitter.com nutzen als auch über sein Mobiltelefon. Dadurch wurde Twitter zum bevorzugten Kommunikationsinstrument der Demonstranten im Iran, in Moldawien und in Mumbai. Nutzer können die Nachrichten dieser und anderer Nutzer abonnieren, indem sie ihnen “folgen”. Die so abonnierten Kurznachrichten erscheinen dann auf der eigenen Profilseite bei Twitter als Nachrichtenfeed und können ebenfalls über das Mobiltelefon empfangen werden.
Dies ist das zweite Erfolgsrezept von Twitter: der Dienst funktioniert wie eine persönliche Nachrichtenagentur. Durch das “folgen” von Menschen mit ähnlichen Interessen stößt man auf Dutzende von spannenden Links und Informationshappen, die über Twitter gepostet werden. Während man auf Nachrichtenseiten wie Spiegel Online oder FAZ.NET manchmal lange suchen muss, um einen bestimmten Artikel zu einem speziellen Thema zu finden, funktioniert Twitter wie die Empfehlung eines Freundes oder eines Bekannten.
Das dritte Erfolgsrezept von Twitter hängt eng damit zusammen. Wichtige Themen und Begriffe werden in der Twitter-Community durch sogenannte Hashtags (#) markiert, also zum Beispiel #thinktanks. Wer diesen Begriff bei Twitter eingibt, erfährt (zum Beispiel) etwas über die Softballturniere der amerikanischen Think-Tank-Mannschaften. Auch Konferenzen oder bestimmte Ereignisse haben eigene Hashtags wie #davos für das World Economic Forum oder #btw09 für die Bundestagswahl. Durch die Suche nach einem Hashtag ist es etwa möglich, einer Konferenz zu folgen, ohne dass man anwesend ist.
Die Suche wird als eines der wichtigsten Features bei Twitter gehandelt. Mit der Twitter-Suche erfährt man sofort, was jetzt gerade im Internet und auf der Welt passiert. Besonders deutlich wird dies bei Ereignissen wie den Protesten im Iran. Während Google eine gewisse Zeit braucht, um hochwertige Quellen zu identifizieren (Googles Suchalgorhytmus basiert auf der Anzahl von Links, die auf einen bestimmten Artikel verweisen), bietet Twitter eine echte Live-Suche. Ein Klick auf das Hashtag #iranelection ermöglicht einen sofortigen Einblick in die Ergebnisse vor Ort, oft aus der Perspektive von Augenzeugen.
Für Think Tanks ist Twitter also aus zwei Gründen von Bedeutung: zum einen als Research-Instrument, zum andern als Marketing- und Kommunikationinstrument. In einem der nächsten Artikel werde ich einige der wichtigsten Begriffe aus der Twitterwelt erläutern und einige Programme und Tools vorstellen, mit denen Twitter noch effektiver genutzt werden kann. Am Ende dieser kleinen Serie werde ich eine Liste von twitternden Think Tanks und Wissenschaftlern veröffentlichen. Wenn Sie Ideen und Vorschläge für diese Liste haben, können Sie mich am Besten über Twitter direkt anschreiben. Dort finden Sie mich unter @daniel_florian.
Update: Hier finden Sie noch einen zweiten Artikel über “Tools zur effizienten Twitter-Nutzung” und eine Liste der wichtigsten Think-Tank-Twitterati.
Tags: Social Media

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