DIW und Google testen neues Prognoseinstrument
Nachrichten, Politikberatung — Von Daniel Florian am June 18, 2009 um 16:53 pmIn Kooperation mit der amerikanischen Suchmaschinenfirma Google geht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) neue Wege in der Prognose ökonomischer Daten. Mit Hilfe eines neu entwickelten Modells will das DIW die Entwicklung der Arbeitslosenquoten für den jeweils kommenden Monat vorhersagen.
Dabei hatte der DIW-Präsident Klaus Zimmermann erst kürzlich eine breite öffentliche Diskussion um die Bedeutung von Konjunkturprognosen ausgelöst, nachdem er in der Financial Times Deutschland vor einem “Wettlauf um die schlechtesten Zahlen” und einer “self-fulfilling prophecy” gewarnt hatte. In der Süddeutschen Zeitung legte Zimmermann kurz darauf nach:
“In dieser Situation muss die Frage erlaubt sein, ob es nicht besser wäre, auf die Veröffentlichung neuer Prognosen für eine Weile zu verzichten.”
Aber gerade weil die althergebrachten Verfahren in der Krise an ihre Grenze stoßen, ist Zimmermann überzeugt, dass das neue Modell erfolgreich sein wird. Das Prinzip der Prognosemethode ist einfach: das DIW nutzt bestimmte Daten aus Googles Zugriffsstatistik als Variable zur Vorhersage der zukünftigen Arbeitslosenzahlen. Das funktioniert, weil nach Angaben des DIW über 90 Prozent der Arbeitssuchenden das Internet für die Stellensuche benutzen.
In den vergangenen Monaten hat das DIW diese neue Methode ausgiebig gestestet und mit historischen Daten verglichen – mit Erfolg. Gegenüber Spiegel Online sagte Zimmermann: “Zu unserer Überraschung haben wir festgestellt, dass man mit wenigen Variablen-Gruppen die Entwicklung der Arbeitslosigkeit mit hoher Präzision erfassen kann”. Für diesen Juni sagt das Institut übrigens eine weitere Abnahme der Arbeitslosenzahlen voraus. Auf einen genauen Wert will sich das DIW jedoch nicht festlegen, die Prognosen schwanken zwischen 7,5 und 7,7 Prozent.
Google-Daten wurden in der Vergangenheit bereits mehrmals verwendet, um zukünftige Ereignisse vorherzusagen, darunter den Sieger des Eurovision Song Contest und der Präsidentschaftswahlen im Iran. Weitere Hintergründe zur Google-Prognose finden Sie im Wochenbericht 25/2009 des DIW Berlin (PDF).
Tags: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Political Risk Consulting
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