Nye über Politikwissenschaft und Praxis
Politikberatung — By Daniel Florian on 20. May 2009 21:23 pmIn den Vereinigten Staaten ist eine Debatte über den Einfluss von Politikwissenschaftlern auf die Politik losgetreten (der Think Tank Alert berichtete). In einem Namensbeitrag für die Washington Post forderte Joseph S. Nye (“Soft Power”) die Politikwissenschaft dazu auf, ein stärkeres Gewicht auf die Förderung politikrelevanter Forschung zu legen und junge Akademiker dazu zu ermutigen, einen stärkeren Einfluss auf die Politik zu nehmen.
Einige der Kernargumente der gegenwärtigen Debatte griff der Politikwissenschaftler und Blogger Daniel W. Drezner kürzlich in einem Interview mit Nye für bloggingheads.tv auf.
Angesichts der vielen im Interview genannten Beispiele von Akademikern, die beide Seiten kennen (also Wissenschaft und Politik), hört sich der Streit um die Relevanz von Politikwissenschaftlern in der Politik nahezu kleinlich an. In den USA haben nicht wenige amerikanische Wissenschaftler Erfahrungen in der Politik, vor allen Dingen in Vergleich zur Bundesrepublik. Wie in Deutschland ist dies für die akademische Karriere jedoch nicht immer förderlich und oft sogar schädlich.
Für Nye ist das ein großer Verlust: Es komme, so Nye, eben nicht darauf an, ein Textbuch in die Hand gedrückt zu bekommen und aus politikwissenschaftlicher Theorie politische Praxis zu machen:
in policy, context matters enormously; in writing an elegant theoretical article you often neglect contect on purpose.
Theorien müssen also der Praxis angepasst, verändert werden. Und das geht nur, wenn man ein gutes politikwissenschaftliches Rüstzeug hat – andernfalls läuft Politik in Gefahr, nur politisch opportune Theorien und Modelle zu nutzen und damit Schaden anzurichten (Drezner nennt hier die Ökonomen als Beispiel, man könnte sicherlich auch die Neorealisten der Bush-Administration anführen) . Am Ende profitieren also beide Seiten von einem Austausch: die Politikwissenschaft, weil ihre Theorien einem “Realitätscheck” unterzogen werden und der Politik, weil politische Strategien auf der Basis aktueller politikwissenschaftlicher Forschung entwickelt werden.


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