VS Verlag bringt “Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik” heraus

Lesenswert, Nachrichten — Von Daniel Florian am December 15, 2008 um 15:00 pm

Was in den USA durch die enge Verbindung von Think Tanks, Universitäten und privaten Unternehmen einerseits und der nationalen Administration andererseits schon längst üblich ist, scheint sich auch in der Bundesrepublik einen immer wichtigeren Platz zu erkämpfen: die akademische Diskussion zwischen “policy makern” und Akademikern. Einen beeindruckenden Anfang hat in diesem Jahr das von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) herausgegebene “Jahrbuch Internationale Politik” gemacht; die im Oktober 2008 erstmals erschienene “Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik” (ZFAS) geht in eine ähnliche Richtung.

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Die im VS Verlag für Sozialwissenschaften erscheinende Zeitschrift will ein Forum für Autoren aus der Wissenschaft, aber auch aus Politik, Verwaltung und NGOs sein. “Denn”, so der Herausgeber Thomas Jäger im Vorwort zur ersten Ausgabe, “hin und wieder fühlt sich die wissenschaftliche Diskussion etwas blutleer an, während die politische Debatte ein wenig mehr Widerspruchsfreiheit vertragen könnte.”

Und so finden sich neben Akademikern auch prominente Politiker (z. B. Karsten D. Voigt), Journalisten (Harro Albrecht) und Vertreter der Zivilgesellschaft wie Hans-Joachim Preuß, Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe, unter den Autoren der ZFAS. Diese Mischung sorgt für ein breites Spektrum unterschiedlichster Sichtweisen auf außen- und sicherheitspolitische Themen. auch wenn manche der Beiträge doch eher bekannte Regierungspositionen wiedergeben anstatt neue Debatten anzustoßen. Eine echte Debattenkultur – etwa vergleichbar mit derjenigen der amerikanischen Zeitschrift Foreign Affairs – muss sich die ZFAS zuerst noch erarbeiten.

Neben den eher an der aktuellen Debatte angelehnten “Analysen” umfasst die Erstausgabe der ZFAS auch zwei lesenswerte akademische Studien zur amerkanischen Außenpolitik zur Europäisierung der Außenpolitiken Österreichs und Irlands. Dieser Mix aus praxisrelevaten Analysen und akademischen Studien (ergänzt durch eine Reihe von Rezension) bildet den Rahmen der ZFAS.

Zumindest diese Ausgabe der Zeitschrift ist bemerkenswert “westlastig”. Wichtige strategische Regionen wie Asien, der Nahe und Mittlere Osten oder Zentralasien kommen nicht vor. Dies mag (auch) daran liegen, dass es in der Bundesrepublik nur relativ wenige Experten für diese Regionen gibt, ist aber ein auffallender “blinder Fleck” der Zeitschrift. Auch die Autoren selber stammen alle aus Deutschland bzw. Österreich. Dabei läge ein besonderer Reiz einer Zeitschrift für Außenpolitik doch genau darin, sich auch den Regionen zu widmen, die nicht ohnehin schon ein fester Bestandteil der außen- und sicherheitspolitischen Mainstream-Debatte der Bundesrepublik sind.

Dank des Konzeptes der Zeitschrift, das praxisrelevante Analysen und tiefergehende Studien verbindet, steht die Redaktion vor einer großen Herausforderung: einerseits will die Zeitschrift auch die aktuelle Debatte begleiten, andererseits begibt sie sich damit in Gefahr, schon bei Erscheinen nicht mehr aktuell zu sein (auch wenn die Analysen keinem formalen “Gutachterprozess” unterliegen). In dem Mittelweg, den die Zeitschrift bewusst eingegangen ist, liegt aber auch ihr Reiz. Denn durch das offene Format der Zeitschrift werden die Autoren ermutigt auch einen Blick auf zukünftige Entwicklungen zu werfen und damit einen Beitrag zur fortwährenden Weiterentwicklung der sicherheitspolitischen Debatte in Deutschland zu leisten.

Foto: Christian Guthier, via flickr.com Lizenz: Creative Commons

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  • Diesen Ansatz verfolgt seit langem auch die Zeitschrift “S+’F. Sicherheit und Frieden. Security and Peace”, siehe
    http://www.security-and-peace.de/

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