Experten in den Medien positionieren
Medien — By Daniel Florian on 7. December 2008 15:12 pmKrisen sind die Stunde der Experten – auch jetzt, mitten in der Finanz- und Wirtschaftskrise. Zugleich sehen sich Experten auch immer wieder selbst Kritik ausgesetzt – sowohl aus der Politik als auch von Kolleginnen und Kollegen.
Insbesondere das “Deutungsmonopol” von Wissenschaftlern, die in den Nachrichtenredaktionen fest für ein Thema gebucht sind und daher regelmäßig in den Zeitungen, im Radio oder im Fernsehen auftauchen, werden von der eigenen “peer group” kritisch gesehen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung kürzlich schrieb.
So zum Beispiel Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instiuts für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) mit einem gesunden Talent, sich selbst in Szene zu setzen (wie man zum Beispiel auf ihrer professionell gestalteten Webseite sehen kann). Nicht immer folge sie derselben Argumentation, sagt ein ungenannter Branchenkenner gegenüber der FAZ: “Ich bin überrascht über die Vielfalt an Meinungen, die sie vertritt” – mal trete sie etwa für eine Regulierung des Energiemarktes ein, mal dagegen.
Wie auch andere Ökonomen betont Kemfert, dass eine schnelle Reaktion auf plötzliche Ereignisse nur möglich sei, weil das DIW über eine umfangreiche Datenbank verfüge, die eine schnelle Prognose erst möglich mache. Aber gerade wenn die Zeit für Recherche knapp bleibe, so der Hamburger Journalistik-Professor Siegfried Weischenberg gegenüber der Zeitung, könne es vorkommen, das ein “medientauglicher” Experte demjenigen mit der größeren Expertise vorgezogen werde.
Gelegentlich komme es zudem vor, dass Experten so ausgesucht werden, dass sie die Meinung des Journalisten wiedergeben. Suggestive Fragestellungen lenkten dann auf eine ganz bestimmte Antwort hin. Dennoch: Experten haben durchaus eine wichtige Funktion im Mediensystem zu spielen: sie stellen Zusammenhänge her, liefern Erklärungen für komplexe Situationen und verleihen so Orientierung.
Think Tanks, die ihre eigenen Experten in den Medien positionieren wollen, sollten eine Reihe von Regeln beachten: ihre Expertise muss schnell geliefert und präzise und verständlich erklärt werden können. Darüber hinaus sollten Experten auch über ein gewisses Durchsetzungsvermögen gegenüber Journalisten verfügen, um sich nicht instrumentalisieren zu lassen.
Wie die oben genannten Beispiele zeigen, setzen sich Experten in den Medien immer der Kritik ihrer Kolleginnen und Kollegen aus. Auch deswegen ist es wichtig, Medienauftritte gut vorzubereiten und sich so vor Kritik zu schützen. Und: nicht jeder gute Akademiker ist auch ein guter Medien-Experte. Deswegen mag es für manche Think Tanks auch durchaus Sinn machen, eine interne funktionale Arbeitsteilung vorzunehmen.
Tags: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Medien

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