Parteilos, aber nicht unpolitisch: Jens Weidmann berät die Bundeskanzlerin in Wirtschaftsfragen
Köpfe — By Daniel Florian on 4. August 2008 13:11 pmIn ihrer heutigen Ausgabe veröffentlicht die Süddeutsche Zeitung ein Portrait von Jens Weidmann, dem obersten Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Im Gegensatz zu vielen anderen Kanzlerberatern der Vergangenheit würde bei Weidmann nicht der Eindruck entstehen, dass der 40-jährige Ökonom “den großen Auftritt lieben” und sich “insgeheim für bedeutender” halte als ihre Chefs, so der Autor des Portraits Claus Hulverscheidt.
Dabei sei die Berufung Weidmanns für viele Beobachter des politischen Betriebs überraschend gekommen, da der Parteilose Weidmann zwar als “brillanter Ökonom” galt, jedoch über keinerlei politische Kontakte verfügte. Für Kanzleramtschef Thomas de Maiziére war dies jedoch kein Nachteil: “Ein heller Kopf kann die Kompromissfindung und Kontaktpflege eher lernen als ein politischer Taktierer das klare Denken”, so de Maiziére. Für die wissenschaftliche Politikberatung ist diese Einstellung sicherlich nur förderlich.
Dass auch ein parteiloser Berater nicht “Politikberatung nach Lehrbuch” machen kann, merkte Weidmann schließlich jedoch im Fall EADS, als Daimler seine Beteiligung am Konzern abgeben wollte und viele Politiker fürchteten, dass dies zu einer Stärkung der Position Frankreichs führen würde. Weidmann organisierte daraufhin ein Bankenkonsortium, dass die Anteile des Autobauers übernahm.


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