Lost in translation: wenn Wissenschaftler journalistisch schreiben
Im angloamerikanischen Raum existieren eine Reihe von “halbwissenschaftlichen” Magazinen wie Foreign Policy (USA), der Spectator (UK) oder The National Interest (USA), die einen durchaus ernsten Beitrag zur politischen Debatte leisten, aber auf den für wissenschaftliche Zeitschriften üblichen Ballast (wie Fußnoten und einen Literaturapparat) verzichten. Im wesentlichen könnte man diese spezielle Form des Schreibens einen “fundierten Meinungsartikel” nennen.
In Deutschland gibt es nur wenige solcher Magazine (die Internationale Politik fällt mir da ein, das Magazin Cicero ist schon wieder fast zu journalistisch). Ein Grund dafür könnte sein, dass für solch ein Magazin zu schreiben offensichtlich gar nicht so einfach ist, wie Charli Carpenter in seinem Blog “The Duck of Minerva” schreibt:
Though it’s pleasing to have broken into the foreign policy press (if only because I now have a shred of cred when I preach to my students about policy-relevant social science) I am left with mixed feelings. Translating serious research into something appropriate for a beltway journal turned out to be like knitting socks with fishline.
In seinem Blog-Eintrag benennt Carpenter auf unterhaltsame Weise die – aus akademischer Sicht – vielen Unzumutbarkeiten, die ein Akademiker hinnehmen muss, um in einem “policy journal” zu veröffentlichen, wie etwa journalistische Überschriften, der Verzicht auf Fussnoten und die Tatsache, dass Redakteure den eigenen Text redigieren.
Aber trotzdem: wenn Politikwissenschaft auch einen Beitrag zur gesellschaftlichen Debatte leisten soll (und ich finde, das sollte sie!), müssen Akademiker auch lernen, in nichtakademischen Zeitungen zu publizieren, sich also auf die Medienlogik einlassen, ohne wissenschaftliche Standards komplett zu ignorieren. Carpenters Vorschlag zur Überwindung des Grabens zwischen Politikwissenschaft und Praxis ist auch in Deutschland den ein oder anderen klugen Gedanken wert:
Who knew it would be so tricky? Those with experience, of course, who are no doubt chortling at my cluelessness. (Also, the patient beltway editors who have the thankless task of tutoring us sheltered eggheads in their own rules and norms). Well, if the academy aims to bridge the theory/policy divide better, we should help budding political scientists cultivate this experience earlier in their careers. Perhaps instead of yet another methods seminar, we need policy-writing courses for our doctoral students that would help them develop their own skill-sets / strategies / codes of conduct before they throw their hat, haplessly, into the ring.
(Gefunden bei globaldashboard.org)
July 14th, 2008
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