Direktor des Zentrums für Türkeistudien soll entlassen werden
Köpfe, Nachrichten — By Daniel Florian on 26. June 2008 20:19 pmDer Vorstand des Essener Zentrums für Türkeistudien hat in einer außerordentlichen beschlossen, den Gründungsdirektor des Instituts Faruk Sen zu entlassen, nach dem dieser in einem türkischen Magazin geschrieben hatte, die Türken seien die “neuen Juden Europas”. Diese und ähnliche umstrittene Äußerungen widersprächen dem Stiftungszweck und schadeten der Reputation des Instituts, so der Vorstand in seiner Begründung.
Sen will diese Entscheidung nicht hinnehmen und kündigte laut taz an, sich juristisch zur Wehr setzen zu wollen. Zugleich bedauerte er seine Äußerung. Das 1985 gegründete Zentrum für Türkeistudien ist bundesweit einmalig und forscht vor allen Dingen zu Integrationsfragen. Es finanziert sich durch Forschungsaufträge und durch Gelder des Landes Nordrhein-Westfalen.
Durch seine starke mediale Präsenz habe Sen “aus einer wissenschaftlichen Nische heraus eine beachtliche Zahl an Schlagzeilen und Talkshows geprägt zu seinem Lebensthema Integration”, so die Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Der aktuelle Fall zeigt jedoch auch deutlich, wie gefährlich die Ausrichtung einen ganzen Instituts auf einzelne Forscherpersönlichkeiten sein kann. In einer Krise kann so unter Umständen die gesamte Organisation gefährdet sein.
Auch die Gütersloher Bertelsmann Stiftung war kürzlich in die Schlagzeilen geraten, weil eines ihrer Vorstandsmitglieder in den Verdacht geraten war, Untreue begangen zu haben. Die Stiftung trennte sich darauhin von einem ihrer prominentesten Wissenschaftler, dem Münchener Professor Werner Weidenfeld.
Tags: Bertelsmann Stiftung, Zentrum für Türkeistudien


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