Warum Denkfabriken Öffentlichkeitsarbeiter brauchen
Eben bin ich über einen Artikel im Sammelband Politikberatung in Deutschland (VS Verlag für Sozialwissenschaften 2006) gestoßen, in dem der Soziologe Friedhelm Neidhardt die Frage stellt, ob wissenschaftliche Politikberatung auch über die Medien erfolgen kann. Dabei kommt Neidhardt zu einem interessanten Ergebnis:
Zwar könne die Wissenschaft über die Medien eine gewisse Aufmerksamkeit für bestimmte Themen erzeugen und auf drängende Probleme hinzuweisen, allerdings seien die Medien nicht in der Lage, die verschiedenen Argumente zu systematisieren damit auch “beratend” an einer Lösung mitzuwirken. Vielmehr reden eine Vielzahl Experten in den Medien “aneinander vorbei” und der Wahrheitsgehalt einzelner aussagen könne nur unzureichend bestimmt werden.
Deswegen solle die Wissenschaft sich nicht den Medien verschließen, im Gegenteil. Die Wissenschaft müsse sich nur dafür einsetzen, dasss auch im Grenzbereich zwischen Wissenschaft und Praxis die “akademische Selbstkontrolle” funktioniert. Und dazu seien Pressereferenten “nicht das Mittel der Wahl”.
Warum nicht? Im Alltag haben die meisten Wissenschaftler schon genug mit Verwaltung und Lehre zu tun und kommen kaum zum Forschen. Und nun sollen sie auch noch ihre Medienarbeit organisieren? Die Öffentlichkeitsarbeiter in Denkfabriken und Wissenschaftsinstitutionen können dabei eine große Hilfe sein, in dem sie Medienanfragen bündeln, Medienauftritte planen und nicht zuletzt auch ein gutes Training anbieten. Denn die Kommunikationssysteme Wissenschaft und Medien funktionieren unterschiedlich und damit beide Seiten mit dem Ergebnis zufrieden sind, braucht es auf Wissenschaftsseite jemanden, der versteht, wie die Medien und die Wissenschaft funktionieren.
Und ganz wichtig: Die Öffentlichkeitsarbeiter müssen auch dafür sorgen, dass nicht nur einzelne Wissenschaftler, sondern das gesamte Unternehmen von der Medienaufmerksamkeit profitiert. Es gibt also genügend zu tun für die PR-Referenten der Denkfabriken – kein Grund, sich zu verstecken.
May 5th, 2008
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