Bertelsmann Stiftung expandiert mit neuem Selbstbewusstsein

Die Bertelsmann Stiftung gibt sich selbstbewusst: “Wir hätten gern ein bisschen Konkurrenz”, so Vorstandschef Gunter Thielen im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zu stark sollte die Konkurrenz natürlich nicht sein, möchte man meinen, denn zugleich plant die Stiftung einen deutlichen Ausbau ihrer internationalen Präsenz (der Think Tank Alert berichtete) und stärkt so ihre Stellung in der deutschen Think-Tank-Landschaft.

Die Dependance der Stiftung in Brüssel soll deutlich aufgestockt werden, ein Büro in Washington wurde eben eröffnet, und ein weiteres Büro in Peking soll in spätestens eineinhalb Jahren folgen, so Thielen in der FAZ.

Die Botschaft, die Thielen damit aussenden will, lautet: “Die Stiftung ist im Aufbruch”. Das ist auch nötig, denn in den vergangenen Monaten war die Stiftung eher mit Negativ-Schlagzeilen in den Medien vertreten: eine Koalition aus Globalisierungskritikern, Gewerkschaftern und der Linken haben die Bertelsmann Stiftung massiv wegen ihrer “neoliberalen” Ratschläge kritisiert und damit erstmals auch ein relativ breites mediales Echo gefunden. Inzwischen scheint sich das Verhältnis zu den Gewerkschaften jedoch wieder weitgehend normalisiert zu haben. Im Oktober 2007 trennte sich die Stiftung dann von ihrem bekanntesten Gesicht, dem Politikberater Werner Weidenfeld, gegen den wegen Untreue ermittelt wurde.

Büro der Bertelsmann Stiftung in Washington, D.C.
Eindrucksvolle Visitenkarte: das Büro der Bertelsmann Stiftung in Washington, D.C. (Foto: BST)

Das neue Büro in den USA ist rechtlich gesehen eine Tochterstiftung der Bertelsmann Stiftung, die sich mit verschiedenen amerikanischen Denkfabriken vernetzen soll und sich mit den euro-atlantischen Beziehungen, dem demografischen Wandel, Gesundheit und Bildung befassen soll. Die Geschäftsfüh­rung des Büros hat Annette Heuser übernommen. Heuser leitete zuvor das Brüsseler Büro der Bertelsmann Stiftung. Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung eine Dependance in Washington, D. C. eröffnet (der Think Tank Alert berichtete).

Eine Frage scheint Gunter Thielen dennoch überrascht zu haben. Gefragt, warum die Stiftung, die selbst einen hohen wissenschaftlichen Anspruch erhebt, weder im Vorstand noch im Kuratorium bekannte Wissenschaftler hat, sagt Thielen: “Wir haben darüber, ehrlich gesagt, noch nicht nachgedacht.” Nach der Reform ist vor der Reform.

May 1st, 2008

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