“Frau, jung und erfolgreich” - Frauen in der Politikberatung

In Ministerien und Expertengremien, in Ausschüssen, auf Konferenzen und natürlich in den Medien: überall sind Politikberater ein fester Bestandteil des Politikprozesses. Eine Ausbildung dafür gibt es nicht, die Wege dorthin sind verschlungen. Wie wird man also Politikberater? Oder besser: wie wird man Politikberaterin?

Eine 2007 vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) publizierte Studie ergab, dass der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der größten deutschen Unternehmen lediglich 7,8 Prozent beträgt – eine schockierende Zahl. Aber sieht es in der Politik besser aus? Immerhin: seit 2005 wird das Land von einer Frau regiert, und Angela Merkels “Girls Camp” hat es selber zu einiger Berühmtheit gebracht.

Trotzdem: abgesehen von einigen Ausnahmen wie zum Beispiel Jutta Allmendinger sind weibliche Politikberaterinnen immer noch selten in der Berliner Republik. In ihrem Buch “Die Strippenzieherinnen. Welche Frauen stehen im Hintergrund?” werfen die Herausgeberinnen Judith Kleinemeyer und Sandra Busch-Janser einen Blick auf die Karrieren von weiblichen Führungskräften im politischen Raum. Mit Melanie Piepenschneider, der Leiterin der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), und Claudia Kemfert, Abteilungsleiterin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geben zwei prominente Beraterinnen einen sehr persönlichen Einblick in ihren Arbeitsalltag und ihre Karrieren.

Die beiden Beiträge zeigen: einen einheitlichen Weg in die Politikberatung gibt es nicht, übrigens weder für Männer noch für Frauen. Sie beschreiben allerdings auch, wie man es trotzdem schaffen kann: durch das gezielte Einsetzen seiner Stärken, durch Mentoren (Männer wie Frauen) und Netzwerke – und natürlich auch durch die Medien. Die Vielseitigkeit ist der Trumpf für wissenschaftliche Politikberater und Politiberaterinnen – die akademische Qualifikation ist oft genau so wichtig wie sogenannte “soft skills” und Erfahrung im Umgang mit Medien.

Dafür ist auch der Arbeitsalltag vielseitig: Organisation, Forschung, Lehre und Beratung gehen Hand in Hand: “Zugegeben: Ich arbeite viel”, bestätigt Claudia Kemfert. Erfolgreiche Politikberatung ist eben auch kein Nine-to-Five-Job. Und auch das ist wahr: mit einem “anzüglichen” Unterton müssen Frauen in der Männerdomäne Politik (oder Wissenschaft) umgehen können, ein Lächeln würde häufig als “Paarungsverhalten” interpretiert, so Kemfert weiter.

Neben Frauen aus der wissenschaftlichen Politikberatung geben in dem Band auch Lobbyistinnen, NGO-Managerinnen und andere “Strippenzieherinnen” einen Einblick in ihren Arbeitsalltag. Jeder Beitrag wird darüber hinaus mit einem Kurz-Portrait der Autorin eingeleitet. Für alle, die wissen möchten, wie es sich lebt zwischen Uni-Seminar, Experten-Anhörung und Abend-Buffet ist “Die Strippenzieherinnen” ein lesenswertes Buch.

April 4th, 2008

1 Comment Add your own

  • 1. Think Tank Alert » &hellip  |  April 25th, 2008 at 20:41 pm

    [...] Buch “Die Strippenzieherinnen” (der Think Tank Alert berichtete) wirft übrigens einen umfangreicheren Blick auf die Beraterinnen – aber von diesen Ausnahmen [...]

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