TV oder Print? Das richtige Medium für seine Studien finden

Think Tanks haben im Wesentlichen zwei verschiedene Einflusskanäle: direkte Einflussnahme durch die Beratung von Ministerien, Parlementariern usw. und indirekte Einflussnahme über die Medien. Aber was sind die “richtigen” Medien für meine Pressearbeit? “Fernsehen” ist die Antwort, die einem als erstes in den Kopf kommt. Wer es in eine Sonntagabend-Show schafft, hat am Montag die mediale Aufmerksamkeit sicher, so die weitverbreitete Meinung.

Die Washington Post hat einmal genauer hingeschaut und zitiert interessante Ergebnisse aus dem Jahresbericht des Project for Excellence in Journalism. Die gute alte Zeitung hat demnach noch lange nicht ausgedient. Hier die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Die Reichweite von Zeitungen sinkt nicht, sondern steigt im Gegenteil sogar, wenn man die Zugriffszahlen auf die entsprechende Webseite der Zeitungen zur Auflage hinzuzählt.
  • Die Leser greifen häufiger auf das Internet als Nachrichtenmedium zurück als noch vor zwei Jahren. Vor allen Dingen junge Menschen, die keine gedruckte Zeitung lesen, greifen sehr wohl auf die Online-Versionen der großen Medienhäuser zurück, schreibt der Netzökonom.
  • Entscheidend ist: von allen Medien haben nur Zeitungen die Probleme des amerkanischen Gesundheitssystems in den Top-10-Themen gehabt. Die Zeitungen haben auch fünf Monate vor anderen Medien über die drohende ökonomische Krise in den USA berichtet. Und schließlich berichten Zeitungen dreimal so häufig wie die Kabelsender auf ihren Titelseiten über außenpolitische Themen.
  • Bei den Nachrichtensendern ergab sich ebenfalls ein deutlicher Unterschied bei der Auswahl der Themen: MSNBC haben 28 Prozent ihrer Zeit auf Politikberichterstattung verwendet, Fox nur 15 Prozent und CNN nur 12 Prozent. MSNBC und CNN haben auch mehr über den Irak berichtet (18 bzw. 16 Prozent) als Fox (10 Prozent), der dafür stärker über Kriminalität, Prominente und die Medien berichtet hat.

Die Zahlen beziehen sich natürlich nur auf amerikanische Medien, trotzdem können sich daraus auch Presse-Strategien für die Denkfabriken in Deutschland ableiten:

  • Das Fernsehen ist ein tagesaktuelles Medium; mittel- und langfristige Politikempfehlungen eignen sich eher für Print-Medien.
  • Das Thema spielt eine entscheidende Rolle bei der Auswahl des “richtigen” Mediums für eine Studie oder ähnliches: Pressesprecher sollten sich im Vorfeld informieren, welche Medien bereits einmal über dieses oder ein ähnliches Thema berichtet haben.
  • Das Internet spielt eine immer größere Rolle bei der Informationssuche, insbesondere bei der jüngeren Generation. Online-Medien sollten daher unbedingt mit in die Pressearbeit einbezogen werden.
March 18th, 2008

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