Politikberater: die guten Optimisten

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Internationale Politik umreißt der Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) Volker Perthes in einem lesenswerten Artikel das Berufsbild des “wissenschaftlichen Politikberaters”. Diese seien nicht Kanzlerflüsterer, sondern Dienstleister und zugleich Wissenschaftler, so Perthes, der die SWP seit 2005 leitet.

Politikberater als Dienstleister

Im Zeitalter des Internets können Beamte und Parlamentarier natürlich nicht über einen Mangel an Informationen klagen; Politikberater werden deswegen jedoch nicht überflüssig. Im Gegenteil: es ist Aufgabe des Beraters, die vielfältig vorhandenen “information bits” miteinander zu verknüpfen, zu deuten und in einen kausalen Zusammenhang zu stellen (insbesondere hier scheinen mir viele Politikwissenschaftler zu scheitern). Von den vielfältigen Ratschlägen müssen diejenigen auszusortiert werden, die kurzsichtig, untauglich, einseitig oder falsch sind.

Persönliche Eitelkeiten sind in der Politikberatung übrigens fehl am Platze, denn ein Urheberrecht gibt es in der Politikberatung nicht:

Wenn ein Professor von einem anderen (…) abschreibt, dann ist das ein Plagiat. Wenn ein Politiker Ideen oder ganze Absätze aus einem Papier unseres Instituts übernimmt, dann das ein Erfolg der Politikberatung.

Darüber hinaus muss ein Politikberater natürlich eine gewisse Nähe zur Politik wahren und vor allen Dingen ihre spezifische Logik verstehen. Auf der anderen Seite ist auch Abstand nötig, so Perthes, um “die Freiheit, Vorschläge zu machen (…) nicht zu kompromittieren”. Andererseits läuft der Berater Gefahr, der Politik lediglich zu folgen und diese “allenfalls noch intelligent [zu] legitimieren” — Kanzlerflüsterer ade!

Politikberater als Wissenschaftler

Die Frage, was wissenschaftliche Politikberatung eigentlich ausmacht, begleitet mich so lange es diese Webseite gibt. Perthes beantwortet sie so: eine Meinung haben viele — Journalisten, Unternehmen, NGOs und so weiter –, und sie alle prägen die politische Szene in Berlin. Wissenschaftliche Politiberater beziehen sich in ihrem Urteil jedoch auf wissenschaftliche Instrumente und schöpfen daraus ihren Einfluss. Deswegen müssen wissenschaftliche Politikberater ihr methodisches Instrumentarium — empirische Forschung, Szenarientechniken etc. — stets weiterentwickeln.

Politikberater sind auch Forscher, sie bereiten nicht lediglich auf, was andere Wissenschaftler entdeckt haben, sondern entwickeln — als “Sparringpartner” der Politik — auch eigene Ideen und haben eine Vorwarnfunktion: welchen Problemen sieht sich die Politik in Zukunft gegenüber? Der Klimawandel ist ein gute Beispiel für diese Art der Politikberatung. Schließlich ist es auch Aufgabe der Berater, auf Ungewissheiten hinzuweisen, wo wissenschaftliche Evidenz fehlt — und der Politik zu erklären, wie man mit dieser Ungewissheit umgehen kann.

Und die Medien?

Die Medien lassen auch den Bereich der wissenschaftlichen Politikberatung nicht unberührt und belohnen diejenigen, die dramatisieren anstatt abzuwägen. Bewusst plädiert Perthes deswegen für Optimismus, denn “problem- und lösungsorientierte Beratung heißt eben auch, auf Chancen hinzuweisen (…) selbst wenn diese Chancen gering erscheinen”.

Der Artikel ist also nicht nur für angehende Politikberater interessant, sondern auch eine lohnenswerte Lektüre für alle anderen Politikberater, wissenschaftlich oder nicht. Die Internationale Politik kann über das Internet oder gutsortierte Zeitungshändler bezogen werden.

December 19th, 2007

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