DIW spricht von “politisch motivierter Kampagne”

In einer Pressemitteilung weist das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kürzlich geäußerte Kritik zurück, wonach die Qualität seiner Konjunkturabteilung in Frage gestellt und damit auch Zweifel an der Beteiligung des DIW an der neu ausgeschriebenen Gemeinschaftsdiagnose genährt werden. In den vergangenen zwei Jahren gab es erhebliche personelle Veränderungen in der Abteilung Makroökonomie, und unter den übrigen fünf Wirtschaftsforschungsinstituten, die bislang zusammen mit dem DIW die Gemeinschaftsdiagnose erarbeitet hatten, wurde bemängelt, dass das DIW sich nur unzureichend und kontraproduktiv in die Beratungen einbrächte.

Diese Kritik weist das DIW nun offensiv zurück: Den Vorwürfen mangele es an sorgfältiger Recherche und die verletzten die Regeln für einen fairen Wettberwerb.

Es werden von Insidern bewusst verzerrte oder falsche Informationen über angeblich schwache Leistungen der Wissenschaftler der Konjunkturabteilung des DIW Berlin oder anderer Zusammenhänge berichtet. Diese Kampagne versucht vor dem Hintergrund der Neuausschreibung der Gemeinschaftsdiagnose (GD) durch die Bundesregierung sowohl das Ansehen des Instituts als auch die wissenschaftliche Reputation seiner Konjunkturforscher zu beschädigen.

Das DIW verweist außerdem auf seine umfangreichen Publikationstätigkeit in referierten Fachzeitschriften und den jüngst erhaltenen Zuschlag zur Evaluierung der Prognosedienste der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen der EU.

Es bleibt jedoch der Eindruck, dass das DIW sich aus seiner derzeit unruhigen Lage nur schlecht befreien kann. Die Frage, warum sich “Insider” und (ehemalige) Mitarbeiter kürzlich so kritisch zum DIW äußerten und wer hinter der beschriebenen “politisch motivierten Kampagne” stehen sollte, bleibt unbeantwortet. Auch intern gab es in der Vergangenheit erhebliche Unstimmigkeiten im DIW: Nicht nur der Umzug des Instituts nach Berlin-Mitte, der an diesem Wochenende stattfand, war umstritten, sondern auch die sogenannte Maulkorb-Affäre sorgte für eine schlechte Stimmung im DIW.

Für das DIW und inbesondere dessen Konjunkturabteilung hängt also viel von den kommenden Wochen und Monaten ab.

July 2nd, 2007

3 Comments Add your own

  • 1. Stefan  |  July 2nd, 2007 at 13:09 pm

    Tja, Pressemitteilungen sind nun mal blendend :-)

  • 2. Nico Koppo  |  July 2nd, 2007 at 17:51 pm

    Diese PM ist sicherlich auch vor dem Hintergrund erster Gerüchte um ein Ausscheiden des DIW aus der Gemeinschaftsdiagnose zu sehen. Mark Schieritz berichtete am 25.06.07 in der FTD, dass in einer internen Rangliste zur Auschreibung der GD das IFW (Kiel) an erster Stelle liege, gefolgt von RWI (Essen) an zweiter, ifo (München) an dritter und dem Konsortium von lWH (Halle) / Wifo (Wien) und dem IMK (Düsseldorf) an vierter Position. Die Kooperation von DIW und ZEW läge demnach abgeschlagen auf dem fünften Rang. Dass sich daraus eine gehörige Unruhe ergibt, verwundert nicht.

  • 3. Daniel Florian  |  July 2nd, 2007 at 20:41 pm

    Genau auf diesen Artikel (“DIW droht Ausschluss von Gemeinschaftsdiagnose”) bezieht sich auch die PM des DIW. Es wäre interessant, diese interne Rangliste einmal zu sehen — und zu erfahren, wie definitiv sie ist.

    Was mir allerdings nicht klar ist, ist wer in diesem Falle der “Unruhestifter” ist — und wie die Verbindung zur FTD ist. Die Zeitung scheint ja einige Quellen zu haben, die sie fleißig mit internen Informationen füttert, aber auf der anderen Seite wird dem DIW anscheinend kaum die Möglichkeit der Stellungnahme gegeben.

    Auf DIW-Seite ist also ein schlechtes Krisenmanagement zu bemängeln, auf medialer Seite muss über den Vorwurf der unzureichenden Recherchen sicherlich ebenso nachgedacht werden.

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