Die Bertelsmann Stiftung: Freund oder Feind?

Nachrichten — By on 3. June 2007 19:11 pm

Für viele Linke (wie etwa Jens Wernicke in einem Beitrag für Telepolis) ist die Bertelsmann Stiftung der politikberatende Alptraum: Finanziert durch die solvente Bertelsmann AG, offensiv auftretend und nie um einen Kommentar verlegen — das ist zugleich das klischeehafte Stereotyp des kosmopolitischen Neoliberalen.

Auch wenn mir selbst der Einfluss der Bertelsmann Stiftung zuweilen ein wenig überschätzt scheint — schließlich gibt es auch andere wichtige Berater, die nur nicht so viel öffentliches Aufheben um ihre Beratungen machen — ist die Bertelsmann Stiftung doch das beste Beispiel für einen schlagkräftigen, privat finanzierten Think Tank.

Der Grund für die Schlagkraft liegt darin, dass die Bertelsmann Stiftung eine operative Stiftung ist, ihre Mittel also selbst ausgibt und nicht als Fördergelder weitergibt. Diese Arbeitsweise wird von Wernicke jedoch kritisiert:

Die Stiftung ist nicht etwa eine Förderstiftung, sondern arbeitet ausschließlich operativ. Das heißt, mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln von etwa 60 Millionen Euro im Jahr, die sich aus einer steuerfreien jährlichen Dividendenzahlung der Aktiengesellschaft an die Stiftung speisen, unterstützt sie nicht etwa Non-Profit-Organisationen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben, sondern finanziert ausschließlich ihren, den eigenen Interessen verpflichteten Organisations-, Forschungs- und Beratungsapparat.

Dies ist jedoch nicht so selten wie Wernicke in seinem Artikel weiter behauptet. Tatsächlich sind in den vergangenen Jahren mehrere Unternehmensstiftungen dazu übergegangen, mehr Mittel in eigene Forschungsprojekte zu investieren und dementsprechend weniger Fördermittel zu vergeben. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren vermutlich noch weiter verstärken.

Und im Übrigen hat diese Vorgehensweise auch einen entscheidenden Vorteil: Große Stiftungen wie die Bertelsmann Stiftung sind gut organisiert und verfügen über Controlling-Instrumente, die wichtig sind um sicherzustellen, dass die Gelder auch effizient ausgegeben werden. Außerdem verfügen sie über eine umfangreiche wissenschaftliche Infrastruktur, die kleinere NGOs nicht ohne weiteres in gleichem Umfang leisten können.

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