Benedikt Lang: Netzwerkanalyse deutscher Think Tanks

Benedikt Lang hat an der Universität Konstanz eine Arbeit geschrieben, die mir in ähnlicher Art und Weise auch schon seit geraumer Zeit im Kopf herumschwebt: eine Netzwerkanalyse der deutschen Think Tanks.

Die Analyse untersucht, welche personellen Verbindungen es zwischen den einzelnen Denkfabriken gibt und bringt diese Ergebnisse in Verbindung mit der ideologischen Ausrichtung und der Finanzierung der einzelnen Institute. Die Studie zeigt, dass das Think-Tank-Netzwerk eine einheitliche Gesamtstruktur hat und dass sich unter den einflussreichsten Akteuren sowohl akademische als auch advokatische Institute befinden.

Ausblickend vertritt Lang eine Annährerungsthese: Weil auch staatlich finanzierte Institute zunehmend auf Drittmittel angewiesen sind, nähern sich akademische und advokatische Institute in ihrem Marktverhalten aneinander an, etwa in dem ein Produktportfolio angeboten wird, dass in seiner Bandbreite sowohl ein Elitenpublikum als auch die breite Öffentlichkeit anspricht.

Lang, Benedikt (2006): Think Tanks in Deutschland. Eine Netzwerkanalyse der deutschen Think-Tank-Landschaft. [Diplomarbeit an der Universität Konstanz]

May 17th, 2007

3 Comments Add your own

  • 1. Nico Koppo  |  May 18th, 2007 at 12:15 pm

    Benedikt Lang ist eine informative und hinsichtlich des gewählten Analysedesign eine durchaus innovative Arbeit gelungen.
    Bezogen auf die Aktualität am äußersten Rand wäre seiner abschließenden “Annäherungsthese” hinzuzufügen, dass die Bundesregierung dazu übergeht, den “Anpassungsprozess” zw. akademischen und advokatischen Politikberatungsorganisationen qua Auschreibung ehemals vertraglich geregelter wissenschaftlicher Politikberatung voranzutreiben. Eine spannende Frage in diesem Zusammenhang scheint mir, ob dies zur Ausweitung der Bandbreite unterschiedlicher politischer Optionen oder zur Einengung potentiell verfügbarer Politikalternativen beiträgt (vgl. die Neuausschreibung der GD durch das BMWi ab Herbst 2007).

  • 2. Daniel Florian  |  May 19th, 2007 at 10:00 am

    Neben akademischen und advokatischen Instituten erscheint durch die freie Ausschreibung der Frühjahrs- und Herbstgutachten (die von Nico Koppo GD genannte Gemeinschaftsdiagnose) ein dritter Typus von Forschungsinstituten auf der Bühne: die der kommerziellen Beratungsinstitute wie Prognos. Und warum sollten sich nicht etwa auch Unternehmensberatungen an der Ausschreibung beteiligen?!

  • 3. nk  |  May 20th, 2007 at 17:26 pm

    Wirtschaftswissenschaft ist eine politisierte Arena, in der Mehrperspektivität und politische Lösungsvielfalt durch verschiedene wissenschaftlich generierte, belegte und getestete Beratungsergebnisse gesichert werden sollte (”audiatur et altera pars”). Zwar kann man nicht sagen, dass derartige Prinzipien bislang besonders geschützt waren, allerdings hatte sich im Rahmen der GD (ähnlich wie im SVR) eine gewisse Perspektiven-Balance aus Mehrheits- und Minderheitsmeinungen zwischen den “führenden deutschen” Wifo-Instituten eingespielt. Dem aufmerksamen Beobachter wird nicht entgangen sein, dass das DIW in 2005 von großen Teilen einer ganzen Abteilung (Makroökonomie) verlassen wurde und die Vielfalt an wirtschaftspolitischen Positionen seitdem rückläufig ist.
    Grundsätzlich ist nichts gegen eine Vielfalt von Beratungsanbietern einzuwenden, bislang - vor allem im Rahmen der so genannten Hartz-Reformen - sind kommerzielle Beratungsanbieter allerdings nicht durch eine besondere Berücksichtigung wissenschaftlicher Standards hervorgetreten.

Leave a Comment

Required

Required, hidden

Some HTML allowed:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Trackback this post  |  Subscribe to the comments via RSS Feed