Think Tanks in Deutschland: Im Spannungsfeld zwischen “policy advice” und “poltical PR”

Während Think Tanks in den USA und England eine feste Größe sind, wissen viele (Politiker) in Deutschland nicht wirklich, was sie mit der Expertise der Denkfabriken anfangen können. “Über Nutzen und Einfluss dieser Denkfabriken ist längst nicht entschieden”, sagt Oliver Rehlinger, Redakteur des inforadio Berlin-Brandenburg, “beides wird aber zunehmend diskutiert”. Grund genug also, sich in einer hörenswerten Sendung mit der Think-Tank-Landschaft in Deutschland zu befassen.

Warum etwa haben Think Tanks in Deutschland so wenig Einfluss? Über zu wenige Denkfabriken kann sich die deutsche Politik zwar nicht beschweren, allerdings fehle etwa in der Außenpolitik so etwas wie eine “foreign policy and security community”, meint der stellvertretende Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses Hans-Ulrich Klose. Erst durch den Umzug vieler Think Tanks nach Berlin entstehe auch in Deutschland eine ähnliche Debattenkultur wie in den angloamerikanischen Ländern.

Der Publizist Jochen Thies bemängelt dagegen in erster Linie die mangelnde Erfahrung vieler Politikberater. Mehr noch: Er wirft der Politikberatung sogar vor, durch eine “idealistisch orientierte Politikberatung” mitverantwortlich für die zunehmende Anzahl von failing states zu sein, weil die Beratungskonzepte der westlichen Welt nicht ohne Weiteres auf den Rest des Globus übertragen werden können.

Eine zweite Tendenz neben der zunehmenden räumlichen Zentralisierung ist die Entstehung pragmatischer Denkfabriken, die sich selber als Politik-Unternehmer verstehen, etwa berlinpolis. Dessen Vorstandsvorsitzender Daniel Dettling meint, dass die traditionellen Denkfabriken in einer “scheinbaren Objektivität” gefangen seien und sich vor einer klaren politischen Orientierung scheuen. Dabei gelte frei nach Immanuel Kant “was gut ist für die Theorie, ist noch lange nicht gut für die Praxis”. Daraus ergibt sich auch die Notwendigkeit der stärkeren Verbindung von Politikberatung und politischer Werbung oder PR. Für Dettling führt das jedoch nicht automatisch zu einem Interessenskonflikt, denn es sei Aufgabe der Medien, bestimmte “Sprechblasen” zu hinterfragen, egal, ob sie von PR-Leuten oder Politikberatern kommen.

Die Sendung aus der auch sonst hörenswerten Reihe “Druck & Blog” (jeden Samstag um 13:45 Uhr) zeigt auf den Punkt genau, in welchen Spannungsfeldern sich Think Tanks bewegen — auch für Praktiker durchaus zu empfehlen. Ein Transkript und ein Podcast (MP3) der Sendung befindet sich auf der Webseite des inforadio.

April 4th, 2007

1 Comment Add your own

Leave a Comment

Required

Required, hidden

Some HTML allowed:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Trackback this post  |  Subscribe to the comments via RSS Feed