Politics-to-Go: Haus Rissen mit eigenem Podcast

Auch das Haus Rissen ist nun – wie die Bertelsmann Stiftung oder berlinpolis – mit eigenen Podcasts auf dem Markt. Die in Zusammenarbeit mit der Hamburgischen Landeszentrale für politische Bildung produzierten Audio-Beiträge können über das Internet auf einen MP3-Player heruntergeladen und unterwegs gehört werden – daher der hausinterne Name der Reihe: “Politics-To-Go”.

“Politische Bildung”, so der stellvertretende Institutsdirektor Dr. Eckard Bolsinger, “muss permanent neue Wege beschreiten. Gerade junge berufstätige Menschen haben heute kaum Zeit, abendliche Diskussionen und Vorträge zu besuchen oder für mehrere Tage ein Seminar zu besuchen.” Dennoch bestehe ein enormes Bedürfnis nach unabhängiger Information und Aufklärung. “Mit Politics-To-Go wird es möglich, Informationen der politischen Bildung auf dem Weg zur Arbeit in Bus, Bahn oder im Auto zu hören”, erklärt Michael Gwosdz, wissenschaftlicher Mitarbeiter und verantwortlich für Politics-To-Go, die Intention des neuen Angebots.

Das Angebot macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck: Während eine Radiosprecherin zu Beginn die Kernthese zusammenfasst, besteht der größte Teil aus der Wiedergabe des dem Beitrag zugrundeliegenden Textes mit eingestreuten O-Tönen. Der Hörer hat so nicht nur ein “Radio-Feeling”, sondern die Podcasts eignen sich dadurch auch gut für die Weiterverwertung im Radio.

Bei näherem Hinhören zeigen sich jedoch Schwächen im Konzept: Während sich die einleitende Zusammenfassung durch die Wortwahl eher an interessierte Laien zu wenden scheint, birgt der Beitrag selber doch einiges an politischem Sprengstoff, der für den Durchschnittsbürger nur schwer zu verdauen sein dürfte. Ein Beispiel: “Statt sich um die Wiederbelebung eines toten Verfassungsvertrags zu kümmern, sollte Deutschland während seiner Ratspräsidentschaft damit beginnen, Europa zu einer Weltmacht aufzubauen”. Das ist Meinung, keine Information.

In dem Beitrag vertritt Bolsinger die These, dass es in naher Zukunft zu einer Rückkehr zur Großmachtpolitik kommen wird, in dessen Rahmen die Globalisierung durch eine Phase der Abschottung verschiedener Handelsblöcke abgelöst wird, die die Wirtschaft als “Kampfplatz” benutzen. Demgegenüber wirke die Beschäftigung der EU mit Binnenfragen “provinziell”. Bolsingers Lösungsvorschläge sind konsequenterweise die Abschaffung der nationalen Außenministerien zugunsten eines EU-Außenamtes, die Zusammenlegung der Streitkräfte, eine gemeinsames nukleares Waffenarsenal, der Abzug der amerikanischen Truppen aus der EU und ein gemeinsamer Sitz der EU im UN-Sicherheitsrat.

Harter Tobak für jeden Multilateralisten also. Eine Umsetzung dieser Vorschläge würde demnach auch sicherlich nicht, wie Bolsinger glaubt, dazu führen, die EU als ausgleichendes Element zwischen den Großmächten zu positionieren, sondern im Gegenteil zu einer Verfestigung der Großmacht-Elemente in den Internationalen Beziehungen beitragen.

Die entscheidende Frage ist also, wer die Zielgruppe dieses Mediums sein soll? Ohne Zweifel ist der Podcast ein starkes Stück Meinung (und daher eher für Journalisten oder Politiker interessant, weniger in der politischen Bildungsarbeit). Dabei ist mir bislang nicht bekannt, in welchem Maße Politiker oder Journalisten Podcasts zu ihrer Information nutzen. Für Radio-Journalisten ist das Format jedoch – wie bereits erwähnt – sicherlich eine hervorragende Quelle.

January 31st, 2007

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